Die Antworten gibt uns Dr. Christian Kuhn von der Buchinger Fastenklinik in Überlingen am Bodensee.
Ist der Eiweissverlust beim Fasten nicht zu gefährlich?
Es gibt auch Eiweissverbindungen, die entsorgt werden sollen, z.B. Defektenzyme, allergische Immunkomplexe, Entzündungseiweissstoffe, überschüssige Fibrinablagerungen, z.B. überschiessende Narbenbildungen. Durch Eiweisssparmechanismen wird beim Fasten die Stickstoffausscheidung reduziert. Selbste wenn Muskeleiweiss abgebaut werden sollte, sind diese Prozesse reversibel. Wenn bei Adipösen Körpervolumen schilzt, steht auch überschüssiges
Eiweiss zur Verfügung (z.B. aus Zellw&äuml;nden, Struktureiweiss, etc.). Klinische Erfahrung: Die Leistungsfähigkeit beim
Fasten wird sogar gesteigert, wenn Training stattfindet. Die Eiweissfrage muss differenziert beantwortet wrden, je nach
Zeitdauer des Fastens, durchgeführtem Körperlichem Training und Ausgangszustand des Fastenden. Der bei den üblichen Fastenzeiten bis zu 40 Tagen auftretende begrenzte Eiweissverlust ist nicht bedenklich.
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Kann Fasten zu Herzmuskelschwund, Rhythmusstörungen oder sogar zum Tod führen?
Aus der klinischen Erfahrung besteht kein Hinweis auf einen Herzmuskelschwund. Aus klinischer Erfahrung weren Herzrhythmusstörungen vor allem bei Mineralhaushaltverschiebungen beobachtet, z.B. Kalium- und Magnesiumdefizite
(häufig bei Diabetikern, diuretikabehandelten Patienten, fehlernährten Personen). Grosszügige Magnesiumabgabe wird emphohlen bei Hypertonikern, Migränepatienten, Patienten mit übermässigem Alkoholgenuss in der Anamnese).
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Was sind Schlacken? Was versteht man unter Entschlackung?
Schlacken sind saure und zum Teil toxische Stoffwechselzwischen- und -endprodukte, die nicht ausreichend ausge-
schieden werden. Dr.Reiner Stange regt an, die Forschung bezüglich des interzellulären Raumes diesbezüglich zu
intensivieren.
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Gibt Fasten nicht einen Jo-Jo-Effekt?
Bezüglich der Adipositas besteht Einigkeit über das Therapiekonzept "Ernährungs-, Bewegungs-, Psychotherapie", mit Fastentherapie als Einstieg in neue Lebensgewohnheiten. Frau Dr.Wilhelmi erklärt den Begriff des Jo-Jo als eigenlich eine Rückkehr zum Ausgangsgewicht, was bei gesunden, normalgewichtigen Personen und Tieren nach dem Fasten erfolgt.
Was in der Laienpresse eigentlich gemeint wird, ist das sogenannte "Over Jo-Jo", d.h. Leute, die oft Gewicht zu- und agbenommen haben, nehmen langfristig an Gewicht zu. Es handelt sich dabei um eine Korrelation, nicht um einen Kausalzusammenhang. Der Grundumsatz normalisiert sich nach zwei bis drei Wochen. Die Schilddrüsenhormone nach
etwa 6 Wochen. Beim Fasten werden sie um etwa 10% gesenkt.
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Muss man Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralien nehmen während des Fastens?
Grundsätzlich bei Gesunden nein. Jedoch bei Rauchern findet man eine Vitamin C-Unterversorgung, also Vitamin C-haltige Säfte. Bei chronischen Alkoholkonsumenten einen Vitamin B1-Mangel, das retinolbindende Protein sinkt während
des Fastens, also wird die Transportfähigkeit verringert. Klinisch tritt keine Nachtblindheit auf. Vitamin E wird durch Fett transportiert, also wird nur die transportierte Menge verringert. Bei Diabetikern grosszügige Gabe von Vitamin B Komplex zu empfehlen. Bei naturkonform lebenden Personen ist keine Substitution nötig. Bei Fehlernährung, Krankheitszuständen, Diuretikabehandlung, etc. Substitution empfehlenswert. Bei einigen Vitaminen Gabe ohne Eiweisszugabe nicht sinnvoll,
da die Transportfunktion nicht erfüllt werden kann.
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Ist Fasten gut gegen die Adipositas?
Fasten eignet sich als Einstieg und zur Verhaltensänderung gemeinsam mit Bewegungs- und Psychotherapie. Fasten sollte dabei regelmässig zum Einsatz kommen. Fasten ist aber kein Ersatz für änderung der Lebensführung.
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Lösst Fasten Essstörungen aus oder versteckt es sie?
Fasten löst keine Esstörungen aus. Es könnte sie verstärken, wenn sie vorher nicht erkannt worden sind, oder es decht Essstörungen auf. Bei Anorexie soll nicht gefastet werden. Bei Bulimie bringt Fastentherapie in Kombination mit gutem psychotherapeutischem Begleitprogramm besonders bei älteren grössere Erfolge. Bingeeater, Patienten, die unter
plötzlichen Essanfällen leiden, können auch mit Erfolg fasten.
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Wie lange muss oder darf man fasten?
Maximale Fastenzeit an einem Stück: 259 Tage (mit partieller Substitution von Mineralien und Vitaminen). Normalerweise Grenze 40 Tage bei Normalgewichtigen (Oslo-Studie an Rheumatikern 10 Tage Fasten mit Verabreichung von
Gemüsebrühe). Fastendauer ist abhängig von Ausgangsgewicht und Krankheitszustand. Bei chronisch entzündlichen Erkrankungen sind längere Fastenzeiten erstrebenswert.
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Wer darf fasten, wer darf nicht fasten? Macht das Fasten euphorisch oder depressiv?
Nicht gefastet werden soll bei Kachexie, mangelnden Reserven, Anorexie, fortgeschrittener Cerebralsklerose, mangelnder Kooperation, Polignom. Fasten macht euphorisch, weil z.B. der Serotonin-Stoffwechsel beeinflusst wird, dadurch Stimmungsaufhellung, aber "seelische Aufräumarbeit" soll geleistet werden (depressive Krise möglich).
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Ist fasten schädlich für die Darmflora?
Aus der klinischen Erfahrung ergibt sich kein Hinweis auf eine Schädlichkeit für die Darmflora. Im Gegenteil zeigt sich eine Regulierung des Stuhlverhaltens nach dem Fasten.
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Führt fasten zu Ostheoporose? Fördert fasten die Krebsentstehung? Fördert fasten die Infektanfälligkeit?
Untersuchungen in Sambia zeigten, dass bei Frauen, die lebenslang während der Monsunzeit 5 Kg abnahmen und danach wieder zunahmen, keine Osteoporose vorkam. Für die Osteoporose sind wohl auch genetische Vorbelastungen
anzunehmen, sowie ein erheblicher Einfluss des Vitamin D- und Calciumstoffwechsels. Ursachen der Osteoporose:
Störungen im Hormonstoffwechselbild, Bewegungsmangel, Calciummangel, Vitamin D-Mangel, sowie iatrogene Ursachen.
Für eine Förderung der Krebsentstehung durch das Fasten gibt es keinen Hinweis, im Gegenteil: in Mäuseversuchen wurde
eine höhere überlebensrate durch niederkalorische Ernährung gezeigt. Bezüglich der Infektanfälligkeit wird das Fasten ja
gerade als Therapie bei chronischer Pansinusitis, Cystitis, etc. mit Erfolg angewendet.
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